| 8. Römer Cup in Weinheim (2008) |
|
Es war mal wieder soweit, das traditionsreiche Torpedo-Turnier „Römer Cup“ ging in seiner achte Auflage. Erstmals wurde der Römer Cup im Weinheimer Sportpark ausgetragen und von den Spieler selbst organisiert. Leider stand das Turnier bereits im Vorfeld mehrmals vor der Absage, da uns kurzfristig zugesicherte Unterkunft und Betten entzogen wurden. Glücklicherweise gelang es aber doch noch einen Ersatz zu beschaffen und so konnten die 11 anderen nationalen und internationalen Mannschaften pünktlich am 1. Mai anreisen. Neben dem Gastgeber Torpedo Ladenburg spielte in der Gruppe A die Nording Bulls Lohmen (Deutschland), BISO ´65 (Niederlande), Iron Cats Zürich (Schweiz), Troublemakers Ljubljana (Slowenien) und EWSC LITA Prag (Tschechien). In der Gruppe B spielten Titelverteidiger Munich Animals, Hurricanes Bochum, Ruhr-Rollers Essen (alle Deutschland), Stick-Flyers Sneek, GP Bulls Eindhoven (beide Niederlande) und der Italienische Meister Skorpions Varese.
Am 2. Mai begannen die Vorrundenspiele. In unserem ersten Gruppenspiel trafen wir auf die niederländische Mannschaft BISO ´65 aus Breda. Beim niederländischen Zweitligisten spielte deren Trainer Marcel van den Muysenberg mit, welcher als Spieler eigentlich beim Topclub Starriders Tilburg unter Vertrag steht. Alleine die Anwesenheit des Weltklassespielers flößte unserer Mannschaft gehörigen Respekt ein, doch umso konzentrierter gingen wir ins Spiel. Immer wieder gelang es den Torpedo Festschlägerspielern Heiko Schmidt oder Jörg Diehl den niederländischen Weltmeister von 2005 aus dem Spiel zu nehmen, so dass am Ende ein ungefährdeter 5:1 Sieg heraussprang. Im nächsten Spiel ging es gegen den Schweizer Serienmeister Iron Cats Zürich. Da wir als klarer Favorit galten, war der Druck vor eigenem Publikum enorm hoch. Leider fanden wir nie so wirklich in die Partie, dennoch konnten uns die Eidgenossen kaum Paroli bieten. Gerade für unsere Nachwuchsspielerin Christin Kunath war dieses Match eine willkommene Gelegenheit Spielpraxis zu sammeln. Auch hier endete das Spiel 5:1 für Torpedo. Im dritten Spiel des Tages warteten die Troublemakers aus Ljubljana, Anfang 2000 einer unserer Angstgegner. Gut 8 Jahre später war zwar nicht mehr viel davon zu spüren, doch die Slowenen haben nicht viel von ihrem unbändigen Kämpferherz verloren. Dem schnellen Hockey der Torpedos und deren flinken Rollstühlen hatten die Osteuropäer aber nicht viel entgegenzusetzen. Verdient gewannen die Ladenburger mit 6:2. Das Spiel gegen die Nording Bulls Lohmen sollte eine Vorentscheidung um den Gruppensieg sein. Der Bundesligaaufsteiger setzte wie fast immer gegen uns auf einen massiven Abwehrriegel – zurecht, denn gut 2 Wochen vor dem Römer Cup kassierten sie 7 Gegentore gegen unsere Mannschaft. Folglich kontrollierten die Torpedos den Ball und Raum, doch meistens ergaben sich vor dem gegnerischen Tor kaum Lücken und so entwickelte sich ein Geduldsspiel. Selbst als wir das 1:0 markierten gaben die Nordlichter ihre Taktik nicht auf. Und dies galt auch für die restliche Spieldauer nach dem 2:0, so dass dieses Match mit eben jenem Ergebnis endete. EWSC LITA Prag – noch niemals zuvor spielten wir gegen die Mannschaft aus der Tschechischen Republik. Somit wussten wir auch nicht, was uns erwarten würde, doch die Ergebnisse der Prager deuteten nicht gerade auf einen unüberwindbaren Gegner hin. Alles in allem hatte die Mannschaft um Trainer Deniz Genc den Gegner im Griff und siegte am Ende souverän mit 6:0. Damit war Torpedo Ladenburg Gruppensieger vor BISO ´65. In der Gruppe B setzte sich die italienische Spitzenmannschaft Skorpions Varese klar durch. Dahinter konnte sich der Deutsche Vizemeister Hurricanes Bochum den Platz im Halbfinale erkämpfen. Unglücklicherweise hatten wir uns mit der Zeitplanung im Spielplan verkalkuliert, so dass die letzten beiden Gruppenspiele auf den nächsten Tag verschoben werden mussten. Diese brachten aber keine gravierenden Veränderungen mehr. Nach Beendigung der letzten Vorrundenspiele ging es am 3. Mai zunächst mit den Platzierungsspielen weiter. Für die größte Überraschung sorgten sicherlich die Nording Bulls, die erstmals in ihrer Vereinsgeschichte mit 4:3 gegen den Deutschen Rekordmeister Munich Animals gewannen. Nach dem Ende der Platzierungsspiele standen folgende Platzierungen fest: 12. Iron Cats Zürich, 11. EWSC LITA Prag, 10. Ruhr-Rollers Essen, 9. GP Bulls Eindhoven, 8. Troublemakers Ljubljana, 7. Munich Animals, 6. Nording Bulls Lohmen, 5. Stick-Flyers Sneek. Nun wurde von 2 kleinen Feldern auf ein großes Feld umgebaut und damit die Showbühne für die 4 besten Mannschaften des Turniers eröffnet. Im ersten Halbfinale trafen der Deutsche Meister auf den Deutschen Vizemeister – Torpedo gegen Hurricanes. Im Gegensatz zur Bundesliga wurde beim Römer Cup ohne Klassifizierung gespielt, was zur Folge hatte, dass unser Trainer sein Triumvirat Görkem Oguz, Ramazan Sahin und Paul Emmering gleichzeitig auf das Feld schicken konnte. Die Hurricanes hatten keine Chance, denn immer wieder wurde der Ball schön laufen lassen und ein ums andere Mal schlug es in deren Tor ein. Nationalspielerin Manuela Rahlf verlor kurzfristig die Nerven und wurde von den niederländischen Schiedsrichter für 2 Minuten des Feldes verwiesen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war allen Zuschauern klar, dass der erste Finalteilnehmer aus Ladenburg kam. Ein 7:1 Sieg stand nach dem Ende der Spielzeit auf der Anzeigetafel. Das zweite Halbfinale war um einiges aufregender, denn der niederländische Vertreter BISO ´65 wollte sich auf keinen Fall seinem vermeintlichen Schicksal ergeben. Insbesondere Weltmeister Marcel van den Muysenberg und sein extrem schneller Rollstuhl brachte den italienischen Champion besonders in der Anfangsphase immer wieder in Bedrängnis. Der sonst so lautstarke Anhang der Vareser war nach einem schnellen 0:3 Rückstand erst einmal ruhig, doch spätestens nach dem 1:3 gaben die Tifosi wieder mächtig Gas und peitschten ihr Team immer weiter nach vorne. Als die Skorpions den 3:3 Ausgleich markierten war allen klar, dieses Team hat einen unbändigen Siegeswillen und nach dem 4:3 Führungstor verwandelte sich die italienische Fankurve in ein Tollhaus. Kurz vor Ende der Partie gelang Breda durch einen berechtigten Penalty noch der Ausgleich – Verlängerung! In der fünfminütigen Extraspielzeit bekam Varese auch einen Penalty zugesprochen, den sie im Nachschuss verwerteten. Mit Glück und Verstand schaukelten sie den Vorsprung über die Zeit. Im Spiel um Platz 3 ging es immerhin um einen kleinen Pokal und beide Mannschaften demonstrierten das sie gewillt waren, diesen gewinnen zu wollen. Bochum kam zunächst besser ins Spiel und führte bis kurz vor Ende der Begegnung mit 2:0, doch Breda gab noch mal alles und schaffte den Ausgleich. Dadurch kam es zum Penalty-Shootout und nicht die Topspieler wie Manuela Rahlf oder Marcel van den Muysenberg entschieden die Partie, sondern mit Matthijs van der Horst ein Nachwuchsspieler. Beide Torhüter Marloes Boon (Breda) und Adnan Mezbur (Bochum) hatten zuvor die Spieler mit ihren Paraden reihenweise zur Verzweiflung getrieben. BISO ´65 gewann letztlich 3:2 nach Penaltyschiessen. Nun stand das große Finale an – amtierender Deutscher Meister gegen den amtierenden Italienischen Meister und Pokalsieger – Torpedo Ladenburg gegen Skorpions Varese. Beide Mannschaften, gespickt mit Nationalspielern ihres Heimatlandes, hatten höchste Achtung und Respekt voreinander. Dies machte sich schon bei der Vorstellung der Teams bemerkbar und auch das herzliche Shakehands vor der Partie war alles andere als rein obligatorisch. Doch eines war auch völlig klar, gewinnen wollten beide! Deniz Genc bot neben Torhüterin Olga Ulrich die drei Handschlägerspieler Görkem, Ramazan und Paul auf. Jörg Diehl bekam auf der Blockerposition den Vorzug vor Heiko Schmidt, der ansonsten ein starkes Turnier spielte. Von Beginn an zeigten die Torpedos, wer der Herr im Hause sein sollte. Die Italiener bekamen insbesondere Ramazan Sahin in seinem Turbo Twist Sport überhaupt nicht in den Griff. Der Ball lief gut und zwei schnelle Tore sollten für etwas Beruhigung sorgen, doch damit war die Rechnung ohne die Skorpions gemacht. Sie konterten uns geschickt aus und packten wenig später den Ausgleich. Sogleich besonnen sie die Torpedos wieder auf ihre Stärken und zogen das Tempo wieder merklich an, was zur Folge hatte, dass die Mannschaft des AC Weinheim erneut mit 2 Toren in Führung ging. Varese gelang noch vor der Pause der Anschlusstreffer zum 4:3. Auch nach der Pause ging das Spiel richtig ab. Angetrieben von einem fantastischen Publikum gingen die Spieler an ihre Leistungsgrenze. Ladenburg musste schließlich den Ausgleichstreffer hinnehmen. Das Match gewann zunehmend an Dramatik und wiederum schossen die Torpedos das 5:4. Im Gegenzug fiel aber durch das fünfte Tor von Tiziano Fattore erneut der Ausgleich. Ein bereits gegebener Treffer Ladenburgs wurde nach wilden Protesten der Italiener wieder durch das ansonsten souverän pfeifende niederländische Schiedsrichtergespann zurückgenommen. 5 Minuten Verlängerung; genau dies sind die Situationen für die es sich lohnt den ganzen Aufwand zu betreiben! In der Verlängerung versuchten uns die Skorpions auszukontern, doch ihre Taktik war vielleicht einen Tick zu passiv und schließlich gingen wir gut 2 Minuten vor dem Ende in Führung. Varese entblößte von nun an ihre Deckung und erhöhten nochmals den Druck. Diesem hielten wir mit vollem Einsatz und einer Portion Glück stand und trafen Sekunden vor dem Ende zum 7:5 Endstand. Dies war gleichbedeutend mit unserem 2. Römer Cup Turniersieg nach 2002. Die Freude kannte natürlich keine Grenzen, unsere Fans feierten uns mit Standing Ovations, doch auch unsere italienischen Freunde waren alles andere als schlechte Verlierer. Ihr Kapitän Claudio Carelli heizte immer wieder die Stimmung unter den Tifosi auf, die beide Teams lautstark feierten. Eine Atmosphäre, die es so sicherlich bei einem unterlegenen Team noch nie in Deutschland gegeben hat. Abends gab es dann noch ein großes Buffet über das sich die hungrigen Teams her machten. Gut gesättigt und bester Laune ging es mit der Siegerehrung weiter, welche von Brigitte Spies-Bechtel vor genommen wurde. Im Anschluss sorgte ein DJ für einen gelungenen Abend, ehe die Mannschaften am 4. Mai wieder abreisten. Wir danken allen die mitgeholfen haben, damit das Turnier doch stattfinden konnte. Auch wenn es einige organisatorische Mängel gab, für die wir zurecht kritisiert wurden, war das Feedback, insbesondere der ausländischen Mannschaften, sehr positiv. Wichtig ist aus den Fehlern zu lernen und diese zukünftig abzustellen, was wir definitiv tun werden. |