1. ERH-Bundesliga - Saison 05/06 (2006)
In dieser Saison wurde der Deutsche Meister zum ersten Mal in einem Ligasystem, statt wie bisher an einem einzigen Turnier, ermittelt. An vier Spieltagen kämpften die besten 5 Mannschaften der letzten Deutschen Meisterschaft 2004 um den Titel. Jeder spielte pro Spieltag gegen die anderen vier Teams, so dass man insgesamt auf 16 Spiele am Ende der Saison kam. Für einen Sieg bekam man zwei Punkte, für ein Unentschieden einen.

Die Einführung des Ligasystems bedeutet für das deutsche E-Hockey einen großen Schritt. Das Spielniveau sollte durch die Konzentration der besten Mannschaften steigen. Jedes Team hatte in jedem Spiel seine beste Leistung abzurufen, um gegenüber der Konkurrenz im Kampf um die Deutsche Meisterschaft nicht ins Hintertreffen zu geraten. Auch die Tatsache, dass man in Zukunft über einen längeren Zeitraum konstant spielen musste, sollte unseren Sport weiter nach vorne bringen. Schwierig gestalten könnten sich die weiten Reisen für die Teams. Nicht nur logistisch, sondern auch finanziell werden sich die Mannschaften bemühen müssen, um einen reibungslosen Ablauf des Wettbewerbs sicherzustellen.

Zum ersten Mal wurde auch ein Wettbewerb mit den neuen Klassifizierungsregeln durchgeführt. Dies gab den Vereinen mehr Möglichkeiten taktisch variabler zu agieren und trug zur Verbesserung der Chancengleichheit bei.

Die Gründungsmitglieder der 1. ERH-Bundesliga waren: Der Titelverteidiger Munich Animals, Vizemeister Torpedo Ladenburg, die Hurricanes aus Bochum, die Black Knights Dreieich und die Ruhrrollers Essen.


Saisonprognose

Als Titelfavoriten galten die Animals, die bisher alle Meisterschaften gewannen und die Hurricanes, welche sich in den vergangenen Jahren zu einer echten Spitzenmannschaft gemausert hatten. Außenseiterchancen wurden den Torpedos aus Ladenburg zugerechnet. Die Mannschaften aus Essen und Dreieich sollten sich um die Plätze dahinter streiten, wobei die Black Knights als das vermeintlich schwächste Team der Liga eingestuft wurden.


1. Spieltag

Der erste Spieltag fand am 10. September 2005 in München statt. Als ebenso kostengünstige, wie auch skurrile Unterbringung diente ein fast leeres Altenheim. Doch trotz dieser teils beklemmenden Atmosphäre waren wir bereit Geschichte zu schreiben. Das Eröffnungsspiel lautete: Torpedo Ladenburg gegen die Black Knights Dreieich. Spannung lag vor dem ersten Anpfiff in der Luft – schließlich wollten wir der erste Tabellenführer der Bundesliga werden. Die Frage, wer das erste Tor der Bundesliga erzielen sollte war nach gut 30 Sekunden beantwortet – unsere #3 Ramazan Sahin! Das Spiel hatten wir stets im Griff, sogar der rollstuhlbedingte Ausfall unseres Spielmachers Görkem Oguz fiel nicht ins Gewicht. Am Ende hieß es 7:1 für Torpedo Ladenburg, der Gegentreffer resultierte aus einem umstrittenen Penalty.

Unser zweites Spiel gegen die Ruhrrollers Essen verlief ebenfalls sehr einseitig zu unseren Gunsten. Von Anfang an ließen wir keine Zweifel aufkommen, wer den Platz als Sieger verlassen sollte. Auch ohne Görkem Oguz spielten wir souverän in der ersten Hälfte, doch mit ihm trumpften wir im zweiten Abschnitt so richtig auf. 6:0 lautete das finale Resultat.

Die Pflichtaufgaben waren erfüllt, doch wir wollten noch mehr. Die aufsteigende Mannschaft Hurricanes Bochum um Nationalspielerin Manuela Rahlf sollte unser nächster Gegner sein. Glücklicherweise hatte Ramazan Sahin an diesem Tag einen sporttauglichen Rollstuhl, was die deutliche Materialüberlegenheit des Gegners deutlich verringerte. Zwar gingen die Bochumer mit 1:0 in Führung, doch der Ausgleich gelang uns noch vor der Halbzeitpause. Nach der Pause spielten wir voll auf Sieg und Mitte der zweiten Hälfte gelang uns ein Doppelschlag zur 3:1 Führung. Gut zwei Minuten vor dem Ende konnten die Hurricanes auf 2:3 verkürzen. Nach dem Anstoß wollten wir Bochum nicht mehr an den Ball kommen lassen, doch wir zogen uns zu tief in die eigene Hälfte zurück. Einen unnötigen Ballverlust hinter unserem Tor nutzen die Hurricanes zum 3:3 Endstand kurz vor dem Ende der Partie. Somit hatten wir einen wichtigen Punkt verschenkt.

Der letzte Gegner hieß Munich Animals – Serienmeister und Topfavorit. Allerdings nicht an diesem Tag! Gegen einen völlig plan- und chancenlosen Gegner hatten wir noch nie so wenig Mühe mit unserem Erzrivalen. 4:0 lautete das Endresultat, welches letztlich noch schmeichelhaft für das Heimteam ausfiel.

Aufgrund der besseren Tordifferenz schlossen wir den ersten Spieltages auf Platz eins ab, vor den punktgleichen Hurricanes Bochum. Dritter waren überraschend die Black Knights Dreieich. Die Munich Animals standen nur auf dem vierten Platz, die Ruhrrollers Essen belegten Rang fünf.

Fazit

Mission erfüllt – Geschichte geschrieben! Unter diesem Motto können wir fast zufrieden auf den vergangenen Spieltag rücken. Eröffnungsspiel bestritten, erster Torschütze in unseren Reihen und erster Tabellenführer – WAHNSINN! Der erste Spieltag der noch jungen Bundesligageschichte wurde von den Munich Animals perfekt ausgerichtet. Auch das überarbeitete Regelwerk machte den Schiedsrichtern kaum Probleme. Durch die Leihgabe eines Sportrollstuhles konnten wir unser Materialdefizit völlig kompensieren. Einzig der unnötig liegengelassene Punkt im Spiel gegen Bochum bedarf Kritik an unserem Spiel. Für eine faustdicke Überraschung sorgten die Black Knights, die München 3:2 schlugen. Damit dürfte sich die Titelverteidigung der Animals fast schon erledigt haben.


2. Spieltag

Am 19. November 2005 richteten die Black Knights Dreieich den zweiten Spieltag der 1. ERH-Bundesliga in Messel (nähe Darmstadt) aus. Aufgrund der für uns günstigen geografischen Lage Messels, konnten wir früh morgens anreisen und mussten nicht dort übernachten. Sportlich gesehen ging es für uns in erster Linie darum, die Tabellenführung zu halten, bzw. nicht zu viele Punkte auf Bochum zu verlieren. Ramazan Sahin konnte leider nicht mehr auf den geliehenen Sportrollstuhl zurückgreifen, so dass uns die Teams aus München und Bochum überlegen schienen.

Im ersten Spiel trafen wir auf den Gastgeber aus Dreieich. Ein Pflichtsieg und leichtes Spiel für Torpedo sollte man meinen, doch wir kamen nur schwer in die Gänge. Ein individueller Fehler unsererseits brachte den Black Knights die Führung, doch noch vor der Pause packten wir den Ausgleich. Auch nach dem Seitenwechsel taten wir uns weiter schwer und hatten in einigen Szenen durchaus Glück nicht in Rückstand zu geraten. Schließlich gelang uns doch der 2:1 Führungstreffer. Eine weitere Unachtsamkeit kostete uns die Führung, doch wir schlugen zurück und retteten die 3:2 über die Zeit. Wenig souverän, aber zwei wichtige Punkte waren auf unserem Konto.

Nächster Gegner war der Tabellenletzte aus Essen. Stark ersatzgeschwächt hatten die Ruhrrollers nicht den Hauch einer Chance. Von Anfang an versuchten sie ein 0:0 zu ermauern, doch nach unserem Führungstreffer Mitte der ersten Hälfte war das Spiel entschieden. Am Ende stand es 4:0 und wir waren froh, die beiden Pflichtaufgaben gelöst zu haben.

Nun ging es gegen Bochum. Ein topmotiviertes Team mit extrem guten Sportrollstühlen, welches zuvor den amtierenden Meister Munich Animals mit 1:0 besiegt hatte, wartete auf dem Feld. Erster gegen Zweiter – DAS versprach Spannung pur! Trotz der deutlichen Materialunterlegenheit lieferten wir einen tollen Kampf. Auch ein 0:1 Rückstand zur Halbzeit konnte uns nicht verunsichern. Nach dem Seitenwechsel glichen wir das Spiel aus, doch kurze Zeit gerieten wir abermals mit 1:2 ins Hintertreffen. Eiskalt spielten wir unseren Stil weiter und markierten mit etwas Glück das 2:2. Noch wenige Minuten waren zu spielen und alles deutete auf eine erneute Punkteteilung hin. Übermotiviert spielend, wollten wir uns den verlorenen Punkt vom ersten Spieltag wiederholen. In einer Offensivaktion wurde unser Spieler Görkem Oguz gefoult, doch die Pfeife des Schiedsrichters blieb stumm. Anstatt den Konter der Bochumer zu stoppen, wurde zu lange mit dem Unparteiischen diskutiert. Die Hurricanes ließen sich nicht bitten und nutzen die Situation zu ihren Gunsten. Am Ende verloren wir mit 2:3 und mussten uns wieder einmal an die eigene Nase fassen, dass wir erneut Punkte gegen Bochum haben liegen lassen.

Im letzten Spiel des Tages wollten die Munich Animals noch eine offene Rechnung mit uns begleichen. Zu tief saß die Blamage vom ersten Spieltag, in der sie mit 0:4 in eigener Halle untergingen. Dementsprechend hitzig verlief das Spiel. In der ersten Hälfte konnten wir mal wieder einen 0:1 Rückstand noch in einen 1:1 Halbzeitstand verwandeln. Nach der Halbzeitpause kam die Rollstuhlüberlegenheit der Münchner immer stärker zur Geltung und so gelang es ihnen vermehrt ihr druckvolles Offensivspiel aufzuziehen. Trotz einiger gefährlicher Konter gelang es den Animals einen 3:1 Vorsprung herauszuschießen. Das Spiel wurde zunehmend dramatischer und einige Spieler lieferten sich heftige Wortgefechte. Unsere Körper vollgepumpt mit Adrenalin, spielten wir uns in einen Rausch. Insbesondere unser bärenstarker Kapitän und Spielgestalter Görkem Oguz war nicht mehr von der Münchner Defensive zu halten. Zwei Traumtore kurz vor Schluss seinerseits, sicherten ein uns ein 3:3 Unentschieden.

Nach Abschluss des zweiten Spieltages führen die Hurricanes Bochum die Tabelle mit drei Punkten Vorsprung auf Torpedo Ladenburg an. Neuer Dritter sind die Munich Animals, vor den Black Knights Dreieich. Die rote Laterne bleibt vorläufig in Essen bei den Ruhrrollers.

Fazit

Aufgrund der schwierigen Rollstuhlsituation in unseren Reihen müssen wir theoretisch nicht traurig sein. Betrachtet man lediglich die Ergebnisse und bedenkt unsere Probleme, können sich die Resultate sehen lassen (mit Ausnahme des Spiels gegen Dreieich, wo wir unterirdisch schlecht waren). Doch schaut man sich an, wie die Ergebnisse zustande gekommen sind, muss man konstatieren, dass wir teilweise zu unclever agierten. Anstatt gegen Bochum auch einmal mit einem Unentschieden zufrieden zu sein, wurde zu sehr mit dem Herz und zu wenig mit dem Kopf gespielt. Aufgrund der Ergebnisse dürfte den Hurricanes die erste Meisterschaft kaum noch zu nehmen sein. Die Meisterschaft können wir zwar noch aus eigener Kraft erreichen, doch eine schnelle Verbesserung der Rollstuhlsituation ist leider in Sicht. Zur neuen Saison dürfte sich unsere Situation aber extrem verbessern: Neue Rollstühle und zwei neue Spieler mit Erstligaformat werden Torpedo Ladenburg verstärken!


3. Spieltag

Der dritte Spieltag der 1. ERH-Bundesliga wurde von den Hurricanes Bochum am 11. März 2006 in Wuppertal ausgerichtet. Untergebracht waren wir in einem 4****-Hotel in der Nähe der Sporthalle. Von einem Schneesturm empfangen, betraten wir die Halle und waren doch etwas irritiert über das Spielfeld. Die Banden waren viel höher und das Spielfeld war auch nicht normgerecht. Da aber keine Mannschaft wieder abreisen wollte, wurden die Bedingungen zähneknirschend akzeptiert. Im Allgemeinen ließ die gesamte Organisation doch sehr zu wünschen übrig, aber wir wollten einfach nur Hockey spielen und versuchen, den Abstand zum Tabellenführer zu verkürzen. Durch den Kauf eines alten Quickie P200 erhofften wir uns, dass Ramazan Sahins Torgefährlichkeit besser zur Geltung kommen würde.

Im ersten Spiel ging es wieder gegen die Black Knights Dreieich. Als klaren Favorit ließen wir von Anfang an keine Zweifel aufkommen. Anders als beim Spiel am letzten Spieltag, waren wir von beginn an hoch konzentriert und folglich fiel das 1:0 durch Ronnie Rapp nach schöner Kombination schon nach wenigen Minuten. Ab diesem Zeitpunkt übernahm Ramazan das Toreschießen, bereits zur Halbzeit stand es 5:0. Am Ende der Partie standen 6 Tore für ihn auf der Habenseite und Torpedo siegte mit 8:0, ohne dass Dreieich auch nur einmal aufs Tor geschossen hatte.

Im zweiten Spiel ging es gegen Schlusslicht Ruhrrollers Essen. Die Essener waren aber an diesem Spieltag alles andere als Kanonenfutter, denn immerhin hatten sie den Deutschen Meister aus München am Rande einer Niederlage und holten verdient einen Punkt. Auch gegen uns brachten die Ruhrrollers eine hervorragende Leistung und erkämpften zur Pause ein 0:0. Im zweiten Durchgang gelang Görkem Oguz nach schöner Einzelleistung dann endlich der verdiente 1:0 Führungstreffer. Zwar gestatteten wir Essen keinerlei Torchancen und sie konnten uns auch nicht wirklich in Bedrängnis bringen, aber wir spielten nicht konsequent auf das siegbringende zweite Tor. Letztlich schoss Görkem dann doch noch kurz vor dem Ende durch einen sehenswerten Distanzschuss das 2:0. So lautete auch der Endstand.

Wieder einmal gab man sich gegen die vermeintlich kleinen Mannschaften keine Blöße, so dass wir uns jetzt wieder ins Meisterrennen einklinken wollten. Die Hurricanes verloren gegen München ihr erstes Saisonspiel mit 0:1 und somit waren wir wieder dran, wir mussten „nur“ gewinnen. Folglich gingen wir hochmotiviert in die Partie und die gute Stimmung auf der Tribüne sorgte für einen würdigen Rahmen im Topspiel. In einem ausgeglichenen Spiel setze Bochum das erste Ausrufezeichen. Nach torloser erster Halbzeit ging der Spitzenreiter in Führung, doch umgehend gelang uns der 1:1 Ausgleich. In einem offenen Schlagabtausch ging es hin und her, und tatsächlich gingen wir in Führung. Unverständlicherweise kam unsere alte Krankheit wieder zum Vorschein. Anstatt weiter unser Spiel durchzuziehen, versuchten wir den Vorsprung zu verwalten und Bochum setzte uns mit ihren starken Rollstühlen heftig unter Druck. Wieder brachte uns ein unnötiger Ballverlust hinter dem Tor den ärgerlichen Ausgleich. Die Zuschauer tobten und pushten das Heimteam weiter nach vorne. Allerdings war uns diesmal das Glück in doppelter Hinsicht treu. Erst hämmerte Ramazan den Ball zwei Minuten vor dem Ende zur 3:2 Führung ins Tor, was das Publikum für einige Momente schockierte. Im Anschluss warfen die Hurricanes alles nach vorne und Manuela Rahlf kam frei zum Schuss. Der Ball überquerte die Torlinie und die Zuschauer lagen sich in den Armen, aber zu früh gefreut. Der Münchner Schiedsrichter hatte die Partie Sekundenbruchteile zuvor abgepfiffen. Sieg für Torpedo – der Meisterkampf war wieder offen. Bochum protestierte zwar noch Minuten nach dem Ende der Begegnung, aber dies änderte nichts mehr.

Im letzten Spiel ging es für uns um die Tabellenführung. Sollten wir München schlagen, wären wir mit einem Punkt in Führung gegangen, mit einer Niederlage nur einen Punkt hinter den Hurricanes zurück geblieben. Mit drei Siegen zuvor, wollten wir einen perfekten Spieltag hinlegen, aber auch die Animals waren hochmotiviert nach den letzten Ergebnissen. Das Spiel kam nicht so richtig in Fahrt und München versuchte aus einer kompakten Defensive zum Erfolg zu kommen. Torpedo spielte zwar druckvoll nach vorne, konnte aber den gegnerischen Abwehrriegel nicht knacken. Die Animals verschoben ihre Positionen klug und ließen kaum einen Abschluss zu. Mit zunehmender Spieldauer wurden wir zu ungeduldig und versuchten unseren Torabschluss zu erzwingen. Mit dem Kopf durch die Wand verloren wir den Ball in der Vorwärtsbewegung und gerieten mit 0:1 in Rückstand. Auf dem Platz wurde es zunehmend hektischer und der Gegner konterte uns ein ums andere Mal aus. Ein weiterer Gegentreffer fand beim Schiedsrichter glücklicherweise keine Anerkennung, obwohl dieser Treffer absolut regulär erzielt wurde. In der zweiten Hälfte hatten wir durch einen Konter die große Chance zum Ausgleich, doch der Schiedsrichter pfiff die Situation leider zurecht ab. Unser Spieler Ronnie verhinderte das Zurückfahren des Münchner Spielgestalters Stefan Utz auf recht rustikale Art und kassierte dafür eine 2 Minuten Strafe. In Unterzahl spielten wir weiter nach vorne und die Munich Animals wollten nur noch den Vorsprung über die Zeit retten. In der Schlussphase hatten wir noch zwei riesige Chancen, doch es sollte nicht mehr sein.

Nach Abschluss des dritten Spieltags lag Torpedo Ladenburg nur noch einen Punkt hinter dem alten und neuen Tabellenführer Hurricanes Bochum. Weiterhin Dritter bleiben die Munich Animals, die aber schon fünf Punkte Rückstand auf Platz 1 haben. Neuer Vierter sind die Ruhrrollers Essen mit einem Punkt Vorsprung auf die Black Knights Dreieich.

Fazit

Die Meisterschaft ist wieder offen. Da die Hurricanes in eigener Halle zweimal patzten, konnten wir den Rückstand auf lediglich einen Punkt verkürzen. In rund vier Wochen wird es in Essen zum absoluten Showdown kommen. Die Anschaffung des gebrauchten Quickie P200 hat sich absolut bezahlt gemacht, auch wenn der Stuhl in der Endgeschwindigkeit mit der starken Konkurrenz nicht ganz mithalten kann. Sollte unser Turbo Twist bis zum nächsten Spieltag geliefert werden, sollten wir alle Chancen haben den Titel zu holen, der Druck des Favoriten wird bei Bochum liegen. Auch wenn München beide Spitzenteams schlug, sollten sie keine Chance mehr haben, aus dem Zwei- einen Dreikampf zu machen. Die Ruhrrollers haben zunächst den Kopf aus der Schlinge gezogen und Dreieich in arge Abstiegsnöte gebracht.


4. Spieltag

Schon die Anreise freitags zum vierten und letzten Spieltag, welcher am 8. April 2006 in Essen statt fand, verlief äußerst kurios, doch dies war erst der Auftakt zu einem denkwürdigen Wochenende. Doch der Reihe nach. Untergebracht waren wir in Bochum-Wattenscheid in einem 3***-Hotel, in welchem noch bis in die Nacht hinein an unseren Rollstühlen geschraubt wurde, um diese für den Spieltag perfekt abzustimmen. Nachdem unser neuer Sportrollstuhl TurboTwist doch noch rechtzeitig geliefert wurde, waren wir guter Dinge, den Ein-Punkt-Rückstand auf die Hurricanes noch aufholen zu können. Weiter konnten wir auch auf zwei alte Quickie P200 zurückgreifen, welche uns auf dem Feld mehr Dynamik bringen sollten.

Im ersten Spiel ging es wieder gegen die Black Knights Dreieich, eine Pflichtaufgabe für einen Meisterschaftsanwärter. In der ersten Hälfte spielten wir allerdings nicht wirklich überzeugend, doch wir waren trotzdem haushoch überlegen. In erster Linie sollte dieses Spiel uns die Möglichkeit bieten, die neuen Rollstühle unter Wettkampfbedingungen testen zu können. Nach anfänglichen Schwierigkeiten kamen wir immer besser ins Spiel und am Ende gewannen wir die Partie mit 6:0. Ein guter Auftakt für uns, doch die entscheidenden Spiele um den Titel sollten noch kommen.

Im zweiten Spiel des Tages schlugen die Hurricanes Bochum, die Munich Animals deutlich mit 5:1. Somit war eigentlich klar, dass wir die Meisterschaft erst im letzten Spiel gegen München holen konnten und alle Spiele gewinnen mussten.

In unserem zweiten Spiel wartete der Gastgeber, die Ruhrrollers Essen, auf uns. Wie schon beim dritten Spieltag taten wir uns gegen das Heimteam schwer. Es gelang uns zu selten die gegnerische Abwehr zu knacken, doch immerhin konnten wir eine 2:0 Führung mit in die Halbzeitpause nehmen. Nach dem Wechsel machten wir weiter Druck, doch leider kassierten wir durch einen Konter das 1:2. Im weiteren Verlauf gerieten wir noch kurze Zeit unter Druck, doch nach einem weiteren Torpedo-Treffer war der Bann gebrochen. Wir legten noch zwei Tore nach, am Ende stand es 5:1 für uns.

Damit hatten wir in der gesamten Saison keinen einzigen Punkt gegen Dreieich und Essen verloren, die Pflichtaufgaben wurden also erfüllt. Und nun kam es zum Showdown um die Deutsche Meisterschaft. Die Hurricanes hatten einen Punkt Vorsprung und eigentlich sollte ihnen ein Unentschieden reichen um den Titel zu gewinnen, da sie im letzten Spiel mit Essen eine vermeintlich leichte Aufgabe hatten. Das Spiel verlief in der ersten Hälfte ohne große Höhepunkte, die taktische Disziplin stand im Vordergrund. Hochmotiviert kehrten wir auf das Feld zurück und schafften es Bochum immer stärker unter Druck zu setzen. Nachdem wir zwei gute Chancen zur Führung ausgelassen hatten, zappelte der dritte Schuss im Netz. Görkem Oguz markierte den Treffer aus kurzer Distanz etwa fünf Minuten vor dem Ende. Ab jetzt hieß es Vorteil Ladenburg! Als wir nach dem Wiederanpfiff in Ballbesitz kamen, begannen legendäre vier Minuten. Görkem Oguz verteidigte den Ball in einer unglaublichen Art und Weise, so dass Bochum nie die Chance bekam, noch einmal in Ballbesitz zu gelangen. Die Sirene ertönte und wir hatten die Hurricanes von Platz 1 verdrängt. Das Blut kochte in unseren Körpern, doch es musste noch ein Spiel gespielt werden.

Bochum besiegte Essen in ihrem letzten Saisonspiel 2:0 und war nun wieder einen Punkt vor unserem Team. Aufgrund des Regelwerks sollte uns ein Unentschieden reichen, da wir gegen die Hurricanes den direkten Vergleich gewonnen hatten (2 Siege, 1 Unentschieden, 1 Niederlage).

Unser letzter Gegner war kein geringerer als der zehnmalige und einzigste Deutsche Meister – die Munich Animals. Gegen die tierischen Münchner hatten wir in der Saison eine ausgeglichene Bilanz (1 Sieg, 1 Unentschieden, 1 Niederlage). Uns sollte ein Remis zum Titelgewinn reichen, doch unser Trainer Deniz brüllte uns an, dass er einen solche Dreck nicht hören will. Vielmehr sollten wir rausgehen und allen zeigen, dass nur WIR die wahren Champions sind.

Das Spiel begann und verlief im Vergleich zu den letzten Spielen äußerst fair von beiden Seiten. Wir erspielten uns die besseren Möglichkeiten, doch die Münchner Torwartlegende Ferdinand Schießl hielt seinen Kasten sauber. Kurz vor dem Ende der ersten Halbzeit wurde Ramazan Sahin von der Münchner Blockerin gefoult, doch die Pfeife des Schiedsrichters blieb stumm. Eiskalt vollendete Stefan Utz und die Meisterschaft war in diesem Augenblick weg. Noch kurz vor der Pause hatten die Animals eine weitere 100%ige Konterchance, welche aber kläglich von Roland Utz vergeben wurde. In der Pause schworen wir uns noch einmal ein, noch 12 Minuten Zeit um die Arbeit eines ganzen Jahres zu einem Erfolg zu machen.
Seitenwechsel – Zweite Halbzeit. Im zweiten Abschnitt entfachten wir einen unglaublichen Druck und wir drückten wir Animals immer weiter in deren eigene Hälfte. Nur noch eine Torchance ließen wir zu, welche unsere überragende Torfrau Olga Ulrich zunichte machte. Ab diesem Zeitpunkt spielte nur noch Ladenburg und Ramazan feuerte den Ball aus halblinker Position, nach tollem Zuspiel von Ronnie Rapp, in die kurze Ecke. TOOOOOOR und wir hatten die Hände wieder am Pott! Doch anstatt das Unentschieden zu verteidigen, machten wir weiter Druck nach vorne. Offensichtlich hatten wir aus den Fehlern der vergangenen Spieltagen gelernt. Görkem führte den Ball und sah die kleine Lücke in der Torwartecke. Der Schlagschuss von der Mittellinie prallte an den Reifen des Torwarts, von dort an den Innenpfosten und von dort ins Tor! Die Emotionen waren kaum noch unter Kontrolle zu halten, doch noch waren knapp fünf Minuten zuspielen. Die Münchner waren zwar bemüht noch einmal zurückzukommen, aber alle Chancen erstickten im Keim. In den letzten drei Minuten vergab Ramazan die entgültige Entscheidung gleich reihenweise, doch wir kamen immer wieder in Ballbesitz und spielten die Zeit locker runter.

Als die Schlusssirene ertönte kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Spieler und Betreuer lagen sich in den Armen, sogar ein paar Freudentränen flossen. All die Mühe, all die Arbeit, der riesige Aufwand den jeder auf sich genommen hatte – all das spielte in diesem Moment keine Rolle mehr. Nach 18 Jahren Torpedo Ladenburg waren wir da, wo wir schon immer hinwollten – WIR sind die beste Mannschaft in Deutschland und das nicht nur auf einem einzigen Turnier, sondern über ein ganzes Jahr. Aus diesem Grund muss man objektiv betrachten, dass dieser Titel den höchsten Stellenwert aller deutschen Meisterschaften, die je ausgetragen wurden, hat. Schnell wurden die ersten Sektflaschen geöffnet und trotz strömenden Regen im Freien gefeiert.

Die Siegerehrung verlief dann eher kühl. Zu sehr war jeder damit beschäftigt seine Gedanken zu sortieren, sowohl die Sieger, wie auch die Unterlegenen. Der Fachbereichsvorsitzende Stefan Utz kürte zunächst die Torschützenkönigin Manuela Rahlf aus Bochum. Sie gewann den Titel mit 40 Toren, vor unseren beiden Angreifern Ramazan (30 Tore) und Görkem Oguz (25).

Letzter wurden die Black Knights aus Dreieich mit vier Punkten und einem negativen Torverhältnis von –67. Ob Dreieich aber in die zweite Liga absteigt, hängt davon ab, ob ein anderes Team aus der zweiten Liga aufsteigen möchte. Sollte dies nicht der Fall sein, dürften die Black Knights in der Liga bleiben. Vierter wurden die Ruhrrollers Essen mit sieben Punkten und einem Torverhältnis von –28. Zum ersten Mal wurden die Munich Animals nicht Deutscher Meister und mussten sich sogar mit Rang 3 zufrieden geben. Sie holten 18 Punkte und hatten ein positives Torverhältnis von 10. Lange Zeit sah es stark nach einem Deutschen Meister aus Bochum aus, doch am Ende landeten die Hurricanes auf dem zweiten Platz mit 25 Punkte und dem besten Torverhältnis aller Teams (+43). Torpedo Ladenburg gewinnt erstmalig den Titel und hat am Ende 26 Punkte und ein Torverhältnis von +42.

Während der Siegerehrung machten uns die Münchner und Bochumer schon einmal Kampfansagen, uns den Titel wieder entreißen zu wollen, wenngleich aber auch alle zugaben, dass wir ein würdiger Meister sind. Als Kapitän Görkem Oguz den riesigen Meisterpokal entgegennahm, gab es einen lauten Knall und Konfetti in unseren Vereinsfarben rieselte auf uns herab. Noch schnell ein paar Fotos für die Presse und danach begann die Party. Wir fuhren zu Ramazans Freundin nach Köln und machten dort die Nacht zum Tage. In einen solch großen Pokal passt sehr viel Bier, wie wir am eigenen Leib erfahren durften.

Wir bedanken uns bei allen, die uns während der ganzen Saison unterstützt haben. Als wichtigste Person natürlich bei unserem Trainer Deniz Genc, der besonders in den letzten Wochen vor der Entscheidung nahezu seine komplette Freizeit für uns geopfert hat. Durch seine Leidenschaft inspiriert holten wir den Titel – Deniz, DU bist für uns der Größte! Weiter möchten wir uns bei Brigitte bedanken, die uns gerade in der schwierigen Zeit bezüglicher der Lizenzprobleme unkompliziert weiter geholfen hat. Ein riesiges Dankeschön natürlich auch alle Betreuer, die uns die Saison über begleitet haben (Lenzen, Tobi, Samuel, Jan, Mahmut, Peter, Michelle, Mone und alle die ich vergessen hab). Ebenfalls Danke an Moppe, unseren Programmierergott und Selvi, die uns immer die Daumen gedrückt hat. Auch unseren beiden Ludwigshafener Neuzugänge Anton und Paul wollen wir danken, die uns immer moralisch gepusht und uns in so mancher Trainingseinheit ganz schön eingeheizt haben. Und zu guter letzt, bei Mone und Hanne für die tolle Meisterfeier und das meisterliche Buffet. Ohne euch alle, wären wir nicht Meister geworden, deshalb gilt: IHR SEID TORPEDO!!

Fazit

Die erste Saison der 1. ERH-Bundesliga ist mit einem Paukenschlag zu Ende gegangen. Vor der Saison wollten wir eine gute Rolle spielen und haben höchstens gehofft um die Meisterschaft mitspielen zukönnen. Auch die Hochspannung, die über gesamte Spielzeit vorhanden war, konnte man so nicht erwarten, aber das ist ja bekanntlich das Schönste am Sport. Tolle Spiele, teilweise hochklassig und extrem spannend, das machte die Premiere der Bundesliga aus. Auch der hohe logistische und finanzielle Aufwand meisterten die Vereine. All die Schwarzmalereien der Pessimisten, dass eine Bundesliga in Deutschland nicht möglich sei, erwiesen als unbegründet. Unser Sport hat in Deutschland einen Quantensprung gemacht. Bleibt zu hoffen, dass wir diesen Weg konsequent weiter gehen, denn letztendlich kämpfen doch alle Vereine für die gleiche Sache – Anerkennung für das Elektrorollstuhl-Hockey.